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BERICHTE, INFOSEITE UND REISEPLANUNG MIT DEN KONTAKTZEITEN DER FINSTERNIS


Totale Sonnenfinsternis am

Freitag, 01. August 2008

 

TSE 2008-08-01 SAROS 126 (47/72)

 

 

letztes Update am 09. August 2008

 

Erfolgreiche Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis in China / Jinta, Wüste Gobi

Aktuell ist der Erlebnisbericht sowie die Aufbereitung des Fotomaterials von 5 Kameras in Arbeit!

 

Hier ein paar erste, ungefilterte Bildeindrücke:

 

 

 

 

 


Flinke Fakten: Dauer von 08:04 - 12:38 UT, Größte Finsternis 10:21:08 UT, Finsternis- Magnitude 1,0394

Maximale Länge der Totalität: 2m27.2s

Total sichtbar in Kanada, Grönland, Franz-Josef-Land, Russland (Novosibirsk, Barnaul), Mongolei, China (Yiwu)

Partiell sichtbar in fast ganz Europa außer Spanien und Portugal und nahezu ganz Asien

Grafik erstellt mit WinEclipse von Heinz Scsibrany


TEIL 1 : INFO, REISE- UND FOTOPLÄNE

Die totale Sonnenfinsternis am Freitag, 1. August 2008

TSE 2008 - SAROS 126 (47/72)

 

Wenn sich die europäischen Finsternisjäger dieses Mal zu ihren Zielen aufmachen, ist es auch eine Voreinstimmung auf die fernen Gegenden, die in den nächsten Jahren vom Kernschatten des Mondes getroffen werden. Am 29. März 2006 fand nämlich in der Türkei die letzte, totale Sonnenfinsternis statt, die vor allem für Europäer nun für wirklich viele Jahre gut und schnell erreichbar war. Damit ist es bis zum 20.03.2015 vorbei, denn erst dann wird der Schattenpfad einer totalen Sonnenfinsternis über die Faröer-Inseln gen Norden ziehen und liegt somit wieder tendenziell näher am europäischen Festland. Und noch ein Wermuts-Tropfen: Seit der Sofi vom 29. März 2006 dauert es 29 lange Monate bis zur nächsten Totalen, die am 1.8.2008 stattfinden wird. Sie ist im Maximum 2m27s lang total.

Aber wie ich ja seit dem 8.4.2005 von der 33-Sekunden-Hybriden im Pazifik weiß, liegt die Würze in der Kürze! Und so ist die kurze Dauer gut zu verschmerzen und eher eines von vielen Highlights, das uns am 1.8.2008 erwarten werden. Es gibt an diesem Tag einiges am Himmel zu sehen!

Die Finsternis beginnt ihren langen Weg, der übrigens größtenteils über hohe, nördliche Breiten führt, in Kanada. Sie zieht mit immer breiter werdendem Totalitätsstreifen über Grönland, das Nordpolarmeer, streift Franz-Josef-Land und die Barents-See und trifft schließlich auf russisches Festland. >>>Karte von Jay Anderson.  In allen diesen Regionen beträgt die Wolkenwahrscheinlichkeit - rein statistisch - zwischen 80-100% in dieser Jahreszeit. >>>Wolken-Karte.

Entlang des Totalitätsstreifens befinden sich nur äußerst dünn besiedelte Gebiete. Das ändert sich erst bei Novosibirsk, wo das Wolkenrisiko sinkt und bei 40-50% liegt. Von Deutschland aus ist diese Region relativ einfach erreichbar, wenn man z.B. auf dem internationalen Flughafen anreist oder nostalgisch per transsibirischer Eisenbahn. Der Schattenpfad zieht weiter mitten durch das Grenzgebiet Russland - Kasachstan - Mongolei - China. Allmählich bessern sich die statistischen Aussichten, mit Erfolg diese Finsternis zu beobachten, je weiter die Sofi nach Süden zieht. Das wohl günstigste Areal mit der geringsten Wolkenwahrscheinlichkeit im Totalitätsstreifen liegt in einer einsamen Bergregion unweit der mongolischen Grenze in China. Das Wolkenrisiko sinkt auf etwa 30-35% in der Wüstenregion, deren einziger, größerer Ort Yiwu heißt. Dieser Ort mitten im Nichts, weit abseits der großen, chinesischen Metropolen, ist sogar aller Abgeschiedenheit zum Trotz noch relativ günstig erreichbar.

Auf den Info- und Reiseseiten von Stefan Krause sind weitere Details zu den "Stationen" dieser Finsternis vom 1.8.2008 erläutert.

Geplanter Beobachtungsplatz bei N 54°40'37" + E 82°54'32"

 

Aus Zeitgründen unternehme ich zu dieser Finsternis nur eine eine Kurzreise nach Novosibirsk. Die Ankunft am Flughafen Tolmachevo erfolgt noch am 1.8.2008 in den Morgenstunden gegen Sonnenaufgang. Anschließend erfolgt ein Bustransfer zum Beobachtungsplatz.

Auf der linken Karte ist der geplante Beobachtungsplatz zu erkennen. Er liegt südwestlich der Stadt Novosibirsk am Südufer des Sees Novosibirskoje Vodochranilsce. Der bekannte Ob-Fluss mündet in diesen Stausee, bevor er am Südwest-Ende des Sees seinen Weg weiter fortsetzt.

Der Standort ist günstig zur Finsternisbeobachtung, denn das Herannahen des Kernschattens in den Augenblicken vor der Totalität kann sehr schön über der weiten Wasserfläche des Sees beobachtet werden. Bis zum gegenüberliegenden Seeufer sind es ca. 38km. Im Bereich der Zentrallinie am See beträgt die Dauer der Totalität 2m19s.

Es gibt sogar direkt von der Zentrallinie dieses Foto, dass allerdings nur wenig mehr als den See selbst zeigt. Nur 1,94 km weiter in östlicher Richtung ist dieses Bild gemacht, und in 7,5 km Distanz östlich zur Zentrallinie bietet sich diese Ansicht der Umgebung.

Weitere Fotos des Sees (alle Panoramio) gibt es hier

 

 

Die Zeiten der Sonnenfinsternis am geplanten Beobachtungsplatz bei N 54°40'37" (54.67696°) und E 82°54'32" (82.90891°)

 

Ereignis Zeitpunkt (UT) Zeitpunkt Ortszeit Alt Az
Beginn partielle Phase C1 09:41:58.8 16:41:58.8 +38.8° 243°
Beginn Totalität C2 10:44:42.2 17:44:42.2 +30.3 257.9°
größte Finsternis mid 10:45:52.2 17:45:52.2 +30.1 258.2°
Ende Totalität C3 10:47:01.8 17:47:01.8 +30.0° 258.4°
Ende 2. partielle Phase C4 11:45:48.1 18:45:48.1 +21.5° 270.8°

Im August gilt in Novosibirsk die Sommerzeit "NOVST" als Ortszeit. Diese liegt 7 Stunden vor UT oder 5 Stunden vor der MESZ.

Ohne die NOVST, also außerhalb der Sommerzeit gilt die Standard-Ortszeit UT+6.

 

 

Die Himmelsansicht während den 139 Sekunden der schwarzen Sonne für N 54°40'37" und E 82.54'32" (Novosibirsk am Ob-Stausee)

 

Wie ein Zeiger aus Planeten, der zur Sonne zielt: Gleich 4 Planeten stehen am Totalitäts-Himmel. Die Grafik zeigt alle Planeten und Sterne um die Sonne, deren Helligkeit mindestens 2 mag beträgt. Es gibt einiges zu sehen. Merkur (-1.8mag) und Venus (-3.9mag) werden sich wegen ihrer Sonnennähe auf vielen Fotos der Finsternis verraten. Mars mit 1.7mag und Saturn mit 0.8mag sind da schon schwerer auszumachen, sollten aber auf den zweiten Blick erkennbar sein. Alle Planeten reihen sich östlich der schwarzen Sonne wie auf einer Perlenschnur entlang einer Geraden und "zeigen" regelrecht auf Sonne und Mond.

Procyon (0.4mag) und das Pärchen Castor (1.58mag) und Pollux (1.22mag) sowie Capella stehen zur Mitte der Finsternis westlich der Sonne, und es ist an diesem Sofi-Tag die zweite Chance, all' diese Sterne noch einmal zu sehen! Zum ersten Mal gelingt die Sichtung nämlich schon am Morgen des 1.8. vor Sonnenaufgang mit allen genannten außer dem zu weit südlich stehendem Procyon - klaren Blick zum Himmel vorausgesetzt. Dazu kann man sich die oben stehende Grafik für 5:00 Uhr Sommerzeit Novosibirsk ansehen.

 

 

Die Altlicht-Mondsichel am Morgen des 1. August 2008 - unter besten Bedingungen noch sichtbar!

Mit vorrangig glasklarem Himmel, viel Glück und einem Teleobjektiv oder Fernglas kann man um 05:01 Uhr NOVST vielleicht sogar die ultraschmale Sichel des Mondes mit gerade mal 0.4% Beleuchtung 13 Stunden und 12 Minuten vor dem Neumondzeitpunkt um 18:13 Uhr NOVST Lokalzeit in 6° Distanz zur Sonne sehen. Das ist zugegebenermaßen ein Extremsport, aber nicht unmöglich.

 

 

 

 

Wo passiert was - der event & object quickfinder

Oft hat man vor der Sonnenfinsternis nicht die Gelegenheit, den endgültigen Beobachtungsplatz probe halber eingehend zu inspizieren. Dann ist die Frage, ob sich im Verlauf der Finsternis möglicherweise störende Objekte (Bäume, Berge) im Sichtfeld befinden. Kein Problem mit dieser Windrosen-Skala.

Sie zeigt zumindest für das Azimuth (Horizontrichtung) alle wichtigen Ereignisse auf einen Blick und gilt für 3 Zeitpunkte: Erster Kontakt (U1), Totalität mit Darstellung des Azimuth für alle Planeten und einige helle Sterne und den letzten Kontakt (U4). Die Objekthöhenangaben (Alt) und die Himmelsrichtungen (Az) gelten nur für Novosibirsk und Umgebung und sind speziell für den geplanten Beobachtungsplatz am Ob-Stausee berechnet. Bitte nicht für andere Orte als Referenz heranziehen.

Am Stausee angekommen, brauche ich nur die Karte mit dem Kompass einzunorden, die Missweisung für den 1.8.08 und die Stadt Novosibirsk von 8 ° zu berücksichtigen und schon sehe ich, ob mein Standort optimal ist. Diese Karte führe ich in laminierter Form mit mir:

 

 

Was geschieht zuhause? Hier die Kontaktzeiten für meine Heimat in der Mitte des Saarlandes:

In Deutschland ist von dieser Sonnenfinsternis, die ich in der Ferne als Totale beobachten will, nicht viel zu beobachten. Zu nicht einmal 9% bedeckt der Mond in Eppelborn im Saarland die Sonne - das ist fürwahr eine bescheidene, partielle Finsternis.

 

Für alle Saarländer hier die Kontaktzeiten in lokaler Ortszeit MESZ, berechnet für: N49°24'21" und E6°57'41"

 

Erster Kontakt: 10:45:21 (UT 08:45:21), Höhe 43.2°

Größte Finsternis: 11:28:21 (UT 09:28:21), Höhe 49°, Exakter Grad der Bedeckung 8,47%

Letzter Kontakt: 12:11:51 (UT 10:11:51), Höhe 54°

 

Spannend ist ein Ereignisvergleich zwischen dem Saarland und dem See bei Novosibirsk:

Wenn der erste Kontakt um 10:45:21 MESZ im Saarland beginnt und die Amateurastronomen dies im Teleskop registrieren, sind vielleicht manche Beobachter im sibirischen Novosibirsk noch mit dem Aufbau ihrer Instrumente beschäftigt. Zeit dafür ist noch genug, denn hier dauert es noch 57 Minuten, bis der erste Kontakt beginnt. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, haben die Saarländer die "greatest eclipse" schon vor 13 Minuten mit 8,47% Bedeckung gesehen.

Wenn die Saarländer um 10:11:51 UT (12:11:51 MESZ) nach dem letzten Kontakt beginnen, ihre Instrumente allmählich wieder abzubauen, ist die partielle Phase in Sibirien gerade erst seit 29 Minuten im Gange. Der Mond hat die Sonne am Ob-Stausee zu 36% verfinstert, und den aufmerksamsten und erfahrenen Beobachtern wird im Fall von ganz klarem Himmel bereits jetzt eine minimale Abnahme des Umgebungslichtes aufgefallen sein. Von jetzt an sind es noch rund 35 Minuten bis zum zweiten Kontakt - während man im Saarland bereits ein etwas verspätetes Mittagessen zu sich nimmt!

Wenn dann um 12:44:42 MESZ die ersten, eifrigen Saarländer bereits ihre partiellen Fotos in den diversen Internetforen eingestellt haben, klicken in Novosibirsk (hoffentlich) alle Kameras: Ein riesiger Diamantring hat dort gerade den 2. Kontakt und beendet und somit die 2m19s lange (oder kurze?) Totalität eingeleitet. Die Temperatur ist um einige Grad gefallen, Planeten sind am Himmel zu sehen und eine eigenartige Dämmerung mit erkennbaren Aufhellungen aus westlicher und östlicher Richtung. Zur gleichen Zeit im Saarland: Die Sonne brennt. Da nutzt es nichts, dass der westliche Mondrand auch nur 23 Bogenminuten vom östlichen Sonnenrand entfernt ist - no eclipse visible! Grund: Novosibirsk ist von Deutschland rund 4.400 km Luftlinie entfernt.

 

Fotopläne

Und es dreht sich doch:

Bilder wie von Geisterhand - mehr Zeit zum Schauen für die Finsternis!

Hier möchte ich meine Fotopläne für diese Sonnenfinsternis vorstellen. Dieses Mal werde ich keine einzige Kamera während der Totalität selbst bedienen, oder gar zwischen verschiedenen Stativen herumspringen. Eine 2m19s total verfinsterte Sonne wird mich auf meiner 2008-Reise erwarten, und diese kurze Zeit möchte ich einfach nur mit Schauen und Staunen verbringen.

Ziel ist, mit einem durchdachten Fotoplan eine spätere, sinnvolle Ausarbeitung der Fotos dieser Sonnenfinsternis vom 1.8.2008 zu ermöglichen. Als Orientierung dient mir dazu diese Anleitung mit Foto-Belichtungsreihen von Miloslav Druckmüller. Seine Fotos haben in Sachen Sonnenfinsternis-Fotografie neue Maßstäbe gesetzt, wovon man sich jederzeit auf seiner Seite überzeugen kann.

Kurz vor der totalen SoFi am 29. März 2006 veröffentlichte Fred Bruenjes seine PC-Software "Eclipse". Mit ihr lassen sich bis zu 4 Kameras vollautomatisch anhand eines vorher selbst festgelegten Fotoplanes auslösen. Das funktioniert entweder für die gesamte Dauer der Finsternis oder nur für die Totalität - ganz nach Akku-Leistung des Laptops! In den wenigen Tagen, die vor dem 29. März noch blieben, war mir die Zeit zum Ausprobieren einer neuen Software einfach zu knapp und das Resultat zu ungewiss.

Doch inzwischen weiß ich: Die Tests der Kamera-Steuerungsprogramme sind erfolgreich und mit höchster Präzission abgelaufen. So steht für mich fest: Die nächsten Bilder macht der PC. Die Technik ist in der Lage, erheblich mehr Bilder zu schießen und das zuverlässiger, als man es selbst in dieser aufregenden Situation könnte.

Durch die Eindrücke der heranrasenden Totalität ist man so aufgewühlt und es erfordert höchste Konzentration, eine Kamera auszulösen und dann auch noch eine Belichtungsreihe abzuarbeiten. Aber Bilder sind nun mal die schönsten Souvenirs einer Finsternis, auf die man ja nicht verzichten muss.

Details zur Kameraausrüstung:

1. Digital: Canon EOS 400d + Maksutov 5.6/500 (Brennweite 800mm), Steuerung per PC mit "Eclipse Orchestrator" von Fred Bruenjes

2. Digital: Canon EOS 350d + Sigma APO-Zoom 70-300mm bei 250mm Brennweite, Steuerung per PC mit "Eclipse Orchestrator"

3. Analog: Canon EOS 3000N + 80mm, Auslösung per Canon-Universal-Timer von Thomas Tuchan

4. Analog: Canon EOS 3000N+ 500mm, Auslösung per Canon-Universal-Timer von Thomas Tuchan

5. Digital: Ricoh Caplio R5 bei 28mm, Auslösung per Auto-Intervall alle 5s, auf automatischer Drehvorrichtung für 360°-Mein Eigenbau

zusätzlich: Erfassung von Temperatur und rel. Luftfeuchte im Minutentakt mittels Datenlogger

Die Nachführung auf die Sonne erfolgt mit meiner bewährten EQ2-Reisemontierung inkl. RA-Nachführ-Motor auf dem Berlebach- Holz-Stativ. Set 1 + 2: Eine Canon EOS 400d (mit MTO 500 x 1,6) und EOS 350d (mit Sigma APO 70-300 bei 250mm) werden per Laptop mit der beschriebenen Kamera-Software von Fred Bruenjes mittels USB- und RS232-Ansteuerung ausgelöst. Außer dem Abnehmen der Sonnenfilter für die partiellen Phasen ist an diesen Optiken nichts zu tun.

Set 3 + 4: Hier erfolgt die Auslösung von 2 ANALOGEN Canon-Kameras ebenfalls automatisch mit einem Eigenbau von Thomas Tuchan (Link oben!). Leider können ohne weiteren Eingriff nur 3 feste Auslösezeiten verarbeitet werden.

Set 5: Vollautomatisches Panorama

Ein Landschafts-Panorama mit einer 360°-Ansicht des Finsternis-Himmels soll ebenfalls gemacht werden. Und auch hier wird kein einziger Eingriff während der totalen Phase der Totalität von mir gemacht. Dazu benutze ich 2 Dinge: Eine Ricoh-Digitalkamera des Typs Caplio R5 und ein geheimnisvolles Kästchen, auf das ich später näher eingehe.

Die Ricoh- Digicam kann mit einer schnellen SD-Speicherkarte Intervallaufnahmen im Abstand von 5 Sekunden machen, sogar mit der AEB-Bracketing-Funktion. Das ermöglicht 3 Aufnahmen mit einem Auslösezeitpunkt, und das alle 5 Sekunden. Einmal gestartet, macht die Kamera die Bilder selbsttätig. Das geht auf Wunsch so lange, bis der Lithium-Ionen-Akku erschöpft ist. Tipps zu Kameras, die Intervallaufnahmen machen können stehen weiter unten im Text.

Bei einer Brennweite von 28mm sind ca. 10 Aufnahmen nötig, um den gesamten Horizont im Hochformat abzulichten. Weil ja auch hier kein händischer Eingriff gemacht werden soll, kommt eine selbstgebaute Eigenkonstruktion ins Spiel:

Panorama auf Knopfdruck:

T E P M - Turbo Eclipse-Panorama Maker - Eigenbau aus dem Hause Birkner

Nach diversen Aufenthalten im Bastel- und Elektronikladen und einigen Stunden in der Werkstatt meines Schwiegervaters entstand am 31.12.2006 die voll reisetaugliche Plattform zur Erstellung automatischer Panorama-Fotos während der Totalität - der so genannte Turbo Eclipse-Panorama Maker.

Turbo Eclipse Panorama-Maker mit Ricoh R5 und 9V-Batterie.

Dieser Selbstbau besteht aus einem Kunststoff-Gehäuse, einem Intervallschalter mit 9-V-Blockbatterieansteuerung, zwei 1.5-V-Mignonbatterien für den Drehmotor, einer Winkel-Befestigungsschine für leichte Kameras und ein paar Knöpfen und Schaltern. Die Gesamtkosten für alle Teile belaufen sich auf etwa 50 Euro und die eigentliche Box war in ca. 3 Stunden zusammengezimmert.

Die optische Achse entspricht fast genau der Drehachse, und dadurch sind bei lotrechter Aufstellung der Box "schiefe Linien" quasi ausgeschlossen.

 

Hier erkennt man die Einstell-Regler und Schalter für die Pausen-Zeit, Dreh-Zeit sowie für die Stromversorgungen.

 Praktischer Weise lässt sich  die Box einfach irgendwo aufstellen oder auf ein Stativ schrauben. Mit einer Dosenlibelle kann der Turbo Eclipse Panorama-Maker korrekt nivelliert werden.

Die Kamera- Winkelschiene erlaubt zusätzlich die Aufnahme einer zweiten, leichten Digitalkamera!

Es handelt sich um eine kleine Kunststoffbox, die eine (oder optional zwei) kleine Digitalkameras in festgelegten Intervallen um 360° drehen kann. Dabei lässt sich die Kamera derart anbringen, dass sich der Drehpunkt nahe dem sog. Nodalpunkt befindet. Dies ist wichtig, um keinen wesentlichen Versatz bei der Drehung der Kamera um die eigene Achse zu erzeugen. Krümmungen bei der späteren Panorama-Erstellung am PC sind größtenteils ausgeschlossen.

Die Box hat einen regelbaren Intervallschalter, der eigentlich eine 12-V-Stromversorgung benötigt. Tests haben aber gezeigt, dass eine 9-V-Blockbatterie ca. für 45 Minuten schon ausreichend Strom für den Motor liefert, was für eine Finsternis mehr als ausreichend ist. Dank dieses Umstandes habe ich quasi keinen Gewichtsaufwand - statt eines schweren 12-V-Blei-Akkus reicht eine leichte 9V-Blockzelle völlig aus! Innen befindet sich neben dem elektronischen Intervallschalter, für den die 9-V-Batterie benötigt wird, noch ein Fach mit zwei 1.5-V-Mognon-Zellen. Sie versorgen lediglich den Motor, der die Kamera dreht. Den Drehimpuls erhält der Motor vom Intervall-Schalter. Ursprünglich war der Motor in einer Dreheinrichtung für Disco-Kugeln eingebaut und kostete 6,95 Euro zum Sofort-Kaufen!

Ganz wichtig:

Man braucht auf jeden Fall eine Kamera mit Intervall-Auslöser, sonst nutzt aller Basteleifer gar nichts. Die meisten auf dem Markt befindlichen Digitalkameras verfügen leider nur über automatische Auslöse-Intervalle im Abstand von 10-30 Sekunden. Soweit mir bekannt ist, hat nur Ricoh in allen Modellen der Caplio-Serie R5, R6, R7 eine Intervall-Auslösung ab 5 Sekunden. Eine Zwischenlösung bringt Nikon für einige Kameras der Coolpix-L-Serie, die mit 10-Sekunden-Abstand Intervallbilder schießen können. Auch Pentax hat digitale Kompaktkameras mit 10-s-Intervallauslösung.

In der Praxis hat sich der Turbo-Eclipse-Panorama-Maker exzellent bewährt und wird somit bei künftigen Sonnenfinsternissen eingesetzt. Ein komplettes Panorama kann im Schnellverfahren innerhalb 60 Sekunden erstellt werden. Zusätzlich liegt mittels der Bracketting-Funktion der Ricoh R5 jedes Einzelbild 1x über-, 1x unter- und einmal "normal belichtet" vor.

Plan B : ganz ohne Plan!

Die besten Pläne nutzen nichts, wenn z.B. beim Transport ein Teil Schaden genommen hat oder aufgrund der vorherrschenden Wettersituation am E-Day der Fotoplan keinen Sinn mehr macht. Weniger ist stets mehr. Und so muss ggf. das eine oder andere Experiment ausfallen. Mit Gewalt möchte ich keines der Vorhaben durchführen - der gesamte Fotoplan ist für eine Schönwetter-Eclipse angedacht!

Zugegeben sind 5 Kameras ein großes Vorhaben. Zugegeben waren aber auch die Vorbereitungen umfangreich wie nie!

 


 

 

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